Meine bisher längste Etappe dieser Reise.

Heute fuhr ich die längste Etappe meiner Radreise. Stolze 175km waren es am Ende. Ganz geplant war es nicht, hätte ich jedoch diese lange Tour heute nicht gemacht, wäre die Entfernung Morgen zu bewältigen gewesen. Eigentlich war der Plan, mit der Fähre in der Nacht von Sonntag auf Montag auf das europäische Festland überzusetzen. Gestern dann die Ernüchterung. Die Fähre ist komplett ausgebucht. Von diesem Zeitpunkt an war mir klar, dass ich die restlichen 300km auf zwei Tage fahren werde. Kurzerhand wollte ich also eine Fähre in der Nacht von Samstag auf Sonntag buchen. Leider war diese ebenfalls ausgebucht. Nun bleibt mir nichts anderes übrig, als die Fähre am Sonntag um 9:00Uhr zu nehmen. Ich “verschenke” somit einen ganzen Tag und habe zusätzlich noch den Stress, die 300km auf zwei Tage zu fahren. Sachen die ich nicht beeinflussen kann und auch sehr entspannt sehe. Ich traue mir die Strecke in dieser Zeit zu und genieße einen Pausentag auf der Fähre. In negativen Situationen immer das Positive sehen, das lernt man auf Radreisen sehr gut muss ich sagen.

Während ich zu Abend esse, dreht ein kleiner Junge auf seinem Fahrrad Runde um Runde auf dem Campingplatz. Wenn ich mich nicht verzählt habe, ist er in etwa zwölf Mal an mir vorbeigefahren. Angenommen der Rundkurs entspricht 500m. Da kommt dann schon einiges an Stecke zusammen. Im Äquivalent zu meiner Größe und Statur sind es vermutlich keine 175km, dennoch eine ordentliche Strecke für den kleinen Racker. Der Nachwuchs trainiert fleißig um irgendwann die jetzige fahrradbegeisterte Generation in den Schatten zu stellen. Wobei schneller, höher und weiter gar nicht das Ziel sein soll. Eigene Grenzen erkennen und austesten, das finde ich persönlich am wichtigsten. Der Rest sind nur Zahlen, Daten und Fakten. Hoffe der Junge bleibt dem effizientesten Fortbewegungsmittel durch Muskelkraft treu, es macht zumindest den Anschein.

Ich muss zugeben, ich bin ein wenig faul geworden was das Fotos schießen angeht. Irgendwie habe ich nie den Drang beziehungsweise denke auch nicht daran, dass ich ein Foto zumindest für den Blog machen könnte. Mein einziges Foto heute habe ich kurz nach dem Start geschossen. Es zeigt den Hauptsitz von JCB (Land- und Baumaschinenhersteller) in Rocester. Da bin ich zufällig daran vorbei und war erstaunt, dass hier im letzten Eck Englands der Hauptsitz ist. Ich gebe mir Mühe in den kommenden Tagen und werde wieder Fotos machen.

Vor exakt einem Monat hatte ich meinen letzten Arbeitstag. Zu diesem Zeitpunkt noch überschüttet mit Emotionen der Verabschiedungen ahnte ich noch gar nicht, was mich erwarten wird. Zu genau dieser Uhrzeit (21:25 Uhr) saß ich mit Simon noch auf der Terrasse, trank ein Bier und philosophierte über die anstehende Radreise. Ist es genauso wie ich mir es damals erhofft udn vorgestellt habe? Definitiv nein. Es ist anders. Ich dachte ich bin viel mehr mit mir selbst beschäftigt und den ganzen Tag in meinen Gedanken gefangen. Dem ist nicht so bzw. ich empfinde dem nicht so. Während des Fahrradfahrens bin ich sehr auf den Untergrund, den Verkehr und mein Fahrrad fokussiert. Kleine Unaufmerksamkeiten können einen großen Schaden an Mensch oder Drahtesel verursachen. Natürlich ist man unbewusst aber immer in seiner Gedankenwelt. Aber sehr im Positiven. Ich bin damit beschäftigt, alle Dinge der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu verarbeiten. Ich bin nicht damit beschäftigt, mich selbst in irgend einer Weise zu verstehen oder mit meiner “Einsamkeit” klar zu kommen. Mein Kopf ist voll und leer zugleich. Ein wahnsinnig entspannendes Gefühl. Keine Verpflichtungen, keine Termine. So in dieser Form hatte ich dieses Gefühl das erste und letzte Mal in Schweden/Norwegen, als wir 30 Tage beim Wandern waren. 30 Tage!

Kurzübersicht  
Start Alton, UK
Ziel Huntingdon, UK
Kilometer 175km
Höhenmeter 1250hm
Wetter sonnig 27°C
Wind mittlerer Rückenwind