Wann endlich Einsatz als Fahrradmechaniker?

Der Vormittag fühlte sich heute wie Fliegen an. Für meine heutige Tour war der Wind mein Freund. Die ersten 26km hatte ich bereits nach einer Stunde hinter mir. Normalerweise schaffe ich in der ersten Stunde, bis die Muskulatur warm ist und der Ehrgeiz greift, 18 Kilometer. An einen Rückenwind der so bewussten anschiebt, kann ich mich auf dieser Tour nicht erinnern. Die nächsten Tage sehen ähnlich aus, ganz zu meiner Erheiterung natürlich.

Da der Vormittag nicht ganz so anstrengend war wie sonst, belohnt man sich trotzdem mit einer großen Ladung Essen. In einem kleinen Dorf fuhr ich an einem Imbiss vorbei, der Fish&Chips verkauft. Leider musste ich feststellen, dass der Imbiss nur Bargeld annimmt. Für die wenigen Tage hier in Großbritannien möchte ich aber keine Bargeld abheben. Was soll ich nach der Reise mit den übrigen Pfund? Ich fuhr also weiter in die nächste Stadt. In meinem Kopf kreisten fortan nur noch die Worte “Imbiss” und “Fish&Chips”, vermutlich ausgelöst durch meinen angehenden Hunger. In Nantwich steuerte ich dann auf den besten Imbiss der Stadt zu, der Fish&Chips verkauft. Mein Hunger bestellte ohne es meinem Kopf mitzuteilen eine “Large” Portion. Mit Salz und Essig wurde mir mein Mittagsmahl serviert. Dafür gibt es nur einen Ausdruck: Schmackofatz. Klar sind frittierte Sachen immer gut und kulinarisch kein absolute Highlight, aber das Essen war wirklich etwas besonderes.Zum Abendessen habe ich also auch noch etwas, nur dann leider kalt und die Pommes wohl eher matschig. Sonderlich förderlich für den Nachmittagsritt gestaltete sich die große fettige Portion natürlich nicht. Etwas beschwerlich kämpfte ich nach Mittag gegen die ersten Kilometer. Die Trägheit verflog dann relativ schnell. Gut dass ich nicht die ganze Portion gegessen habe.

Da bis jetzt ausschließlich mir bei technischen Problemen am Fahrrad geholfen wurde, würde ich auch gerne anderen Leuten mit meiner “Expertise” und dem vorhandenen Werkzeug helfen. Nicht dass ich anderen Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrern eine Panne wünsche, ABER eigentlich schon. Aber nur wenn ich vor Ort bin. Heute war es dann fast soweit. An einer roten Baustellenampel schloss ein Gruppe Rennradfahrer zu mir auf. Begrüßt werden mit dem Namen “The fast Bikepacker” ist selbst mir neu. Gefällt mir aber. Nach dem Umschalten der Ampel auf Grün, riss einem Herren die Kette. Ich habe es etwas verspätet realisiert, kehrte aber nach etwa 150m um und bot meine Hilfe an. Ich habe schließlich alles an Werkzeug und ein Kettenglied dabei. (Für mich) Leider wurde meine Hilfe nicht benötigt. Und so zog The-fast-Bickepacker von dannen. Wann endlich Einsatz als Fahrradmechaniker?

Der heutige Campingplatz ist mal wieder ein echter Glücksgriff. Eigentlich peilte ich einen anderen Platz in der Nähe an, entschied mich aber spontan für diesen Platz. Ein Grund dafür war das kostenlose WLAN. Ich wollte heute diesen sowie den gestrigen Blogeintrag schreiben. Abgeschreckt hatte mich eigentlich der Preis von 25 Pfund pro Nacht. Angekommen am Campingplatz zeigte mir ein sehr netter und gesprächiger alter Herr meinen Platz. Es war keine ausgewiesene Parzelle, nur ein Stück Wiese in der Nähe der Sanitäranlagen. Für mich völlig ausreichend, da ich sowieso wenig Platz und keinen Campingstrom brauche. Als es um das Bezahlen ging sagte der Herr, für Fahrradfahrer mit Zelt haben Sie keine Preisstruktur und fragte, ob ich mit 10 Pfund einverstanden bin. Aber natürlich werter Herr, damit habe ich absolut nicht gerechnet. Und wieder einmal zeigt sich ein Brite mir gegenüber mit herausragender Höflichkeit. Ich bin begeistert. Mein eigenes Auftreten und meine Höflichkeit habe ich bis dato noch gar nicht so betrachtet, aber vielleicht liegt es auch ein wenig daran. Bilaterale Höflichkeit also. Ich werde mal bewusst darauf achten. Meistens bin ich damit beschäftigt, mein perfektestes Englisch loszulassen.

Ratet mal wer die ersten Person am Campingplatz ist, die sich einen Pullover anzieht. Jep, de Briten ham absolut koa gspia fia Temperatur.

Kurzübersicht  
Start Prestatyn, UK
Ziel Alton, UK
Kilometer 129km
Höhenmeter 803hm
Wetter sonnig 24°C
Wind mittlerer Rückenwind