Mit dem Fahrrad auf der Autobahn & Die verflixte erste Woche

Die verflixter erste Woche ist eine Erkenntnis von Simon und mir, die wir die letzten Radreisen bereits gewonnen haben. Auch auf dieser Radreise hat sich diese Erkenntnis wieder bewahrheitet. Bei allen Radreisen bisher haben wir beobachtet, dass der Körper und der Kopf erst nach ziemlich exakt einer Woche sich auf das tägliche Fahrradfahren einstellt. Wieso es exakt eine Woche ist, keine Ahnung aber es war wirklich immer genau eine Woche. Erst nach dieser ersten Woche realisiert der Kopf, was ab jetzt seinen Alltag bestimmt - nämlich das Fahrradfahren. Der Körper hat sich nach der ersten Woche an die Anstrengung größtenteils gewöhnt beziehungsweise sind die meisten Schmerzen wie ein Muskelkater nicht mehr präsent.

Als ich heute Morgen losgeradelt bin, dachte ich noch es wird ein Tag wie die vergangenen es waren. Aber irgendetwas war anders. Die letzten Tage überwiegte immer die Euphorie und Motivation, die mich glücklich und voller Elan in den Tag starten lies. Heute war es die Gelassenheit und der Erkenntnis, ich fahre weder für die Kilometer, noch um zu einer gewissen Zeit das Fahrradfahren für den heutigen Tag abzuschließen. Der Druck war irgendwie raus - den Druck, den es nie gab. Diese Erkenntnis war mir schon vor der Reise klar, dennoch musste ich allem Anschein nach diese Erkenntnis noch einmal haben. Purer Aktionismus schwappt in eine bewusste Tätigkeit um. Versteht mich nicht falsch, das Glück und der Elan sind immer noch präsent, jedoch nicht mehr dominierend. Wie hat sich die Erkenntnis bemerkbar gemacht? Die Anzahl der Blicke auf den Tacho oder auf das Handy, wie viele Kilometer schon geschafft und wie viele noch zu bewältigen sind wurden um deuten weniger. Ich steckte weniger negative Gedanken und Frust in die Oberflächenbeschaffenheit des Weges oder das Relief der Route. Ich machte Pausen wann und so oft ich wollte, manchmal alle fünf Kilometer, manchmal erst nach 20km. Sich selbst keinen Stress machen, dass man weiter muss. Einfach nur strampeln. Die verflixte erste Woche ist überstanden. Ich bin auf meiner Tour angekommen.

Aberwitzig, dass ausgerechnet heute ein Weg hinter mir liegt, der genau diese Einstellung verlangte. Etliche Schiebepassagen bei Steigungen bis 23%, grobes loses Gestein bei Abfahrten und der Gegenwind hätten mich mit der Einstellung der letzten Tage zur Weißglut gebracht. Die Einstellung alleine machts natürlich nicht. Der Weg war in der Tat anstrengend und bei einem Geschwindigkeitsdurchschnitt von 15,9kmh die heutige Etappe auch eine extrem lange Angelegenheit. Knapp acht Stunden im Sattel für 127km.

Wer jetzt bei dem kurzen Auszug unter der Überschrift dachte, ich hätte mich auch noch verfahren und bin auf der Autobahn gelandet, der lag absolut falsch. Anstatt auf der Bundesstraße zu fahren bin ich kurzerhand auf die Autobahn gewechselt, die aktuell noch in Bau ist. Und hier auch noch als Geisterfahrer. Fand es witzig, und zwei Autofahrer auf der Bundesstraße, die parallel zur Autobahnbaustelle verläuft, auch.

Ein Fakt, den in Landau wahrscheinlich keiner glauben wird: Ich habe meinen letzten Kaffe vor über einer Woche getrunken. Trinkt ihr einfach einen für mich mit!

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Kurzübersicht  
Start Castrojeriz, Spanienn
Ziel Santo Domingo de la Calzada, Spanien
Kilometer 127km
Höhenmeter 1200hm
Wetter sonnig, 25°C
Wind mittlerer Gegenwind