Tag 6 - Chorizos al vino
by Lukas
Sehe schwarz für mein Flickzeug.
Heute innerhalb von sechs Tagen schon den zweiten Platten. Den ersten Platten hatte ich bereits am zweiten Tag. Aber wundern brauche ich mich nicht. In den Reifen sind etwa 4bar, also Maximum, und die Wege sind sehr unsauber (neben der Straße liegen oft Scherben und Schrauben) führs Fahrradfahren. Wundert mich eher, dass ich nicht noch mehr Platten bis dato hatte. Trotzdem neigt sich mein Flickzeug dem Ende zu, einen Flicken habe ich noch - bin aber auch nur mit einem halben Set gestartet. Einen Ersatzschlauch habe ich dennoch dabei. Zum Thema Scherben auf der Straße. Leider liegt sehr viel Müll an den Straßenrändern, hauptsächlich Dosen und Plastikflaschen. Mir fällt das natürlich sehr intensiv auf, der Blick gesenkt Richtung Boden und an den Steigungen ein langsames Tempo. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum ein europäisches Land wie Spanien noch keinen Pfand hat? Nach kurzer Recherche die Antwort: Ende 2026 ist es wohl soweit. Für uns eigentlich eine Banalität, hier die Einführung eines neuen Systems. Eine Frage stellt sich mir noch, wird den Müll jemals irgendjemand aus dem Straßengraben holen, nachdem schon zehn Mal der Mulcher drüber gefahren ist?

Heute wieder nette wenn auch kurzweilige Bekanntschaften am Wegesrand gemacht. Man kommt den Pilgern gar nicht aus. Stand 2025 waren auf dem Jakobsweg (oder besser gesagt den Jakobswegen) etwa 530.000 Pilger. Die Zahl an sich ist schon wirklich beeindruckend. Bedenkt man jedoch, dass sich diese Zahl an Menschen auf die Monate Mai bis September bezieht, kann man sich ausrechnen, wie viele Leute unterwegs sind. Auf dem Camino de Frances sind es 250.000 Personen, geteilt durch fünf Monate ergibt 50.000 Personen pro Monat. Das sind 1666 Personen pro Tag die in Santiago ankommen. Bei einer Gesamtlänge des Camino de Frances von 800km ist das dann eine Person pro 500 Meter (rein hypothetisch jeder geht alleine und alle sind gleich schnell und, das große UND, alle gehen die vollen 800km). Auf meinen 100km pro Tag sehe ich also geschätzt 200 Personen, die bepackt mit Rucksack und teilweise mit Stöcken unterwegs sind. Die Wahrheit sieht natürlich etwas anders aus, da nicht alle die vollen 800km gehen. Ich merke bereits jetzt, dass mir von Tag zu Tag weniger Pilger unterkommen. Ich fand die Beobachtung dennoch interessant, hoffe mein mathematisches Gedankenspiel findet bei einigen, wenn auch nicht bei allen, anklang.
Noch kurz zum Weg und den Umgebungsbedingungen. Gleich ab Start den Pass Puerto de Foncebadón mit 1504m erklommen. Temperatur war angenehm und bis zur Hälfte der Höhenmeter auch alles wunderbar. Die gestrige Bergetappe habe ich dann aber schnell in meinen Oberschenkeln gespürt. Hilft nichts, zusammenbeißen und durch. Am Berg in den Morgenstunden waren es noch angenehme 17-24°C. Nach der 10km Abfahrt wurde es schon langsam wärmer. Man merkt wirklich jede halbe Stunde, wie die Temperaturen in die Höhe klettern. Das Befeuchten des Langarmshirts und der Kappe (ansonsten würde mein Eierkopf sofort einen Sonnenbrand mit dem Muster des Helms bekommen) bei jedem Trinkwasserbrunnen, also etwa alle fünf Kilometer, machen die Nachmittagstemperaturen von 34°C erträglich. Die Verdunstungskälte “befeuert” durch den Fahrtwind kühlt wirklich ab. Aber was erzähle ich euch da in Deutschland, wo ihr die letzten Tage wie am Giggalbrater gegrillt worden seid.


Apropos Essen, habe Gestern in einem kleinen Restaurant Chorizos al vino gegessen. Da fehlen einem die Worte! Rezept mit Bild
Das mit den Bildern ist so eine Sache. Ich habe eine Kamera dabei und mache (hoffentlich) einige schöne Fotos. Die müsste ich aber noch bearbeiten, bevor ich die hier im Blog hochlade. Das ganze ist etwas aufwendig. Momentan und vermutlich auch zukünftig fehlt mir da etwas die Zeit. Die Blogposts an sich nehmen schon etwa eine Stunde in Anspruch. Ich habe mich dazu entschieden, die Bilder im Nachgang als Album zu veröffentlichen. Ich nehme für den Blog einfach Handyfotos - zur Vermittlung von Informationen reichen die vollkommen aus denk ich.
Fand die Musikempfehlung gestern ganz cool. Heute gibt es eine aus meiner seit einem Jahrzent erarbeiteten EDM-Playlist (für die Oldies unter euch kommt auch noch was, keine Sorge). Sowohl Obamas Rede als auch die Beats holen mich jedes Mal wieder ab:
| Kurzübersicht | |
|---|---|
| Start | Ponferrada, Spanien |
| Ziel | León, Spanien |
| Kilometer | 107km |
| Höhenmeter | 1415hm |
| Wetter | sonnig, 17-35°C |
| Wind | kaum vorhanden |